Kurzchronik:
Die Ortschaft Kaarz wurde als „Kartze“ erstmals 1460 erwähnt. Der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet „Stelle, wo der Wald gerodet ist“. Kaarz war erst ein Bauerndorf und ab Anfang des 19. Jahrhunderts ein Rittergut. Mitte des 19. Jahrhunderts war es auch im Besitz des weitverzweigten Geschlechts der von Bülows, an die noch eine Backsteinkapelle erinnert. 1872 kam es dann in den Besitz des Hamburger Kaufmanns und Reeders Julius Hüniken (d. Ä.). Er wandelte das Gutshaus in ein Schloß der heutigen Bauart um (1875). Man erkennt Andeutungen des gotischen Stils, vielmehr des sog. „altdeutschen Stils“, mit Ergänzungen von Schmuckformen der (Neo-) Renaissance und des (Spät-) Klassizismus, resp. Historismus.Das Schloß Kaarz diente dem Kaufmann und Reeder persönlich als Sommersitz und zur Erholung und Entspannung. Während die untere Etage für ihn bestimmt war, war die obere Etage überwiegend den Gästen (Urlauber, Jäger, Kaufleute, Verwandte) vorbehalten. Durch den Handel mit Bodenschätzen und landwirtschaftlichen Gütern sowie Vogeldünger Guano hatte er sich ein großes Vermögen angeeignet.
Parallel zum Schlossbau wurde der Park vom Gartenarchitekt Carl Ansorge (Schüler von Lenné) im zunächst barocken Stil mit vielen exotischen Bäumen und Gewächsen wie z. B. Mammutbäumen, Zypressen, Douglasien, kaukasischen Fichten, Platanen etc. angelegt. Als Arboretum angelegt, wurde es Anfang des 20. Jahrhunderts im Jahrbuch der „Königlich dendrologischen Gesellschaft“ als besondere Kostbarkeit der Parkarchitektur beschrieben und ist auf der nationalen und europäischen Denkmalliste.
Nach dem Tod von Julius Hüniken (d. Ä.) im Oktober 1891 wurde er im tempelartigen Mausoleum an der Chaussee nach Weitendorf in feierlicher Pracht im Marmorsarg beigesetzt. Das wohl einzigartig in seiner Form anzutreffende Grabmal besitzt ein prächtiges Portal mit Dreieckskrönung, das auf polierten Säulen aus oberschlesischen blau-grünem Granit steht.
Im Juli 1902 übernahm Julius Hüniken (der Jüngere) per Losentscheid das wertvolle Stammgut Kaarz. Nun erfolgten entsprechend seinen Bedürfnissen Umbauten im Schloß wie z. B. das Jugendstil-Deckengemälde im Eingang. Auch der Park wurde zu einem Landschaftspark englischen Stils umgestaltet. Das Gut von 1000 Hektar bestand nun aus 1/3 Ackerflächen und 2/3 Wald. Während der Kriegszeit flüchteten viele Verwandte und Bekannte aus Hamburg hierher, um sich und ihren Besitz vor den Bombenangriffen zu schützen.
Am Ende des 2. Weltkrieges im April 1945 floh die Familie bis auf den Hausherrn nach dem Westen vor den herannahenden Russen. Kaarz wurde durch die Rote Armee besetzt und geplündert. Julius Hüniken (d. J.) erfuhr viele Demütigungen, erhielt Hausverbot und Gefängnisarrest, bis er im September 1945 in den Westen fliehen konnte. Trotz etlicher Anträge über Staat und Kirche durfte er Kaarz bis zu seinem Tode 1975 nicht wieder sehen.
Ab Frühling 1945 wurde Kaarz als Getreidelager genutzt. Die russische Kommandantur befand sich in der 1. Etage, die anderen freien Räume waren mit Flüchtlingen überfüllt. Die gesamte Einrichtung des Hauses ging im Laufe der Wirren verloren. Durch die Bodenreform im September 1945 wurde Kaarz an Tagelöhner und Flüchtlinge aufgeteilt. Es kam zu einem Schulbetrieb in den Sälen des Schlosses, ab 1950 wurde es Gemeindezentrum und 1962 wurde es zum Pflege- und Altenheim umgebaut. 1988 musste das Pflegeheim verlegt werden, da aufgrund des chronischen Geldmangels dringend notwendige Arbeiten wie z.B. das undichte Dach und die Erneuerung der gefährlich veralteten Elektroanlagen nicht mehr ausgeführt werden konnten. Daraufhin blieb das Schloß fast 4 Jahre unbewohnt und unversorgt. Die Folgen waren schwerste Schäden in allen Bereichen.
Nach 2 Jahren schwieriger Verhandlungen mit der Kreisverwaltung gelang es Agnes Gaertner-Hüniken mit ihrer Familie meistbietend Schloß Kaarz einschl. Parkflächen zurückzukaufen, wobei den Alteigentümern keine Vorteile eingeräumt wurden. Ab Juli 1994 kam es dann zur Sanierung des maroden Schlosses getreu dem Wahlspruch der Hünikens „POCO A POCO SE VA LEJOS“ - „Schritt für Schritt kommt man weiter“ und der Überschrift: „Dieses Haus ist mein und doch nicht mein, beim Nächsten wird es auch so sein. Den 3. trägt man auch hinaus. Nun frage ich: Wem gehört das Haus?“

